Übelkeit

Allgemein: 
Übelkeit, und Erbrechen sind sehr unangenehme Begleitsymptome 
von Erkrankungen, wobei die dazu führenden Ursachen vielfältig sein
können. Im Zentralen Nervensystem (Gehirn) befinden sich drei
entscheidende Strukturen (Area postremaNucleus tractus solitarii und
Formation reticularis), die gemeinsam das "Brechzentrum" ausbilden.
Die Area Postrema befindet sich außerhalb der Bluthirnschranke und
weist eine ausgeprägte Rezeptordichte auf, die es dem Körper ermöglicht
schnell auf Giftstoffe reagieren zu können. Erbrechen wird durch
aufsteigende Impulse vom oberen Verdauungstrakt und Erregung der
Rezeptorenin der Area Postrema oder des Nucleus tractus solitarii ausgelöst.
Darüber hinaus kann auch eine Reizung des Gleichgewichtsorgans (z.B. Reisekrankheit --> siehe Schwindel) zum Erbrechen führen. An der Auslösung des Erbrechens sind verschiedenste Rezeptoren beteiligt. Dazu gehören der Dopamin- (D2), Histamin-(H1), Muskarin- (M) Serotonin-(5HT3) und Neurokinin1 (NK1)-Rezeptor.
Im Magen- bzw. Darmtrakt befinden sich sogenannte Dehnungsrezeptoren, die bei übermäßiger Dehnung Impulse an das Gehirn weiterleiten, die u.a. zur Übelkeit führen können. Daher kann bei übermäßiger Nahrungsaufnahme ebenfalls Übelkeit auftreten.
In Abb.1 ist die komplexe Verschaltung dargestellt, die die Übelkeit bzw. das Erbrechen auslöst bzw. darauf Einfluss nehmen kann.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  Abb.1 Entstehung des Brechreizes (nach Mutschler Arzneimittelwirkung, modifiziert)
Übelkeit kann u.a. als Symptom eines verdorbenen Magens, bei Reisen (Reisekrankheit), Migräne, infolge einer Schwangerschaft oder übermäßigen Stresses auftreten. Zudem können bestimmte Lebensmittel oder Medikamente (z.B. Opioide, Krebs-bzw. Parkinsonmedikamente etc.) Übelkeit fördern. Bei wiederholtem Erbrechen können  Flüssigkeits- bzw. Elektrolytverluste auftreten, die sich als zusätzliche körperliche Abgeschlagenheit äußern. 
Für die Selbstmedikation sind insbesondere die Lebensmittelvergiftung, akute Magenschleimhautentzündung und die psychogene Übelkeit von größter Bedeutung.
Die Lebensmittelvergiftung resultiert aus einer Aufnahme verdorbener bzw. unverträglicher Lebensmittel oder dem übermäßigen Genuss alkoholischer Getränke. Die Giftstoffe werden von den entsprechenden Rezeptoren des Magens wahrgenommen, sodass das Erbrechen innerhalb weniger Stunden nach der Nahrungszufuhr eingeleitet wird. Das Erbrechen dient dabei als Schutzmechanismus und der Entfernung der unerwünschten Stoffe. Daher sollte dies nicht durch den Einsatz von Medikamenten unterbunden werden.
Eine akute Magenschleimhautentzündung ist hingegen meist die Folge einer Infektion und äußert sich durch plötzlich einsetzende Übelkeit, Darmkoliken, Durchfall und evtl. Fieber. 
Schließlich gibt es noch die psychogene Übelkeit, die durch negative Erfahrungen, Stress und Angst ausgelöst wird.
Symptome:
Übelkeit, Erbrechen, ggf. Durchfall, Magenkrämpfe, Fieber, evtl. Schwindel
Wann zum Arzt?
Bei häufig auftretendem Erbrechen ( bzw. immer wiederkehrender Übelkeit, sowie Fieber (> 39 °C) und kolikartigen Schmerzen ist ein Arzt aufzusuchen. Wenn die Übelkeit infolge einer Stoßverletzung des Kopfes (evtl. Gehirnerschütterung) auftritt, ist ebenfalls ein Arzt zu kontaktieren.
Therapie:
A) Lebensmittelvergiftung:
1. Pflanzliche Prokinetika: Diese Pflanzlichen Präparate fördern die Magenentleerung durch Unterstützung der Magen- bzw. Darmbewegung. Dadurch wird der Magendruck verringert und die Symptomatik lässt nach. Bei Verengungen (Stenosen) der Gallenwege bzw. Gallensteinen sind diese Präparate zu vermeiden.
Präparate:
B) Akute Magenschleimhautentzündung
 
1. H1-Antihistaminika: Der Brechreiz wird u.a. Histamin (Abb.1) vermittelt ausgelöst bzw. weitergeleitet. Daher eignen sich Antihistaminika gut um diese Reizweiterleitung zu durchbrechen. Die Wirkung dieser Präparate setzt nach ca. 30 Minuten ein. Bei besonders ausgeprägter Symptomatik sollten eher Suppositorien (Zäpfchen) eingesetzt werden. Diese Arzneimittel wirken schlafanstoßend und können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Patienten, die über 60 Jahre alt sind, Prostataprobleme oder ein Engwinkelglaukom haben oder unter Epilepsie leiden, sollten diese Präparate meiden. Zum Ende der Schwangerschaft und in der Stillzeit sind diese Präparate ebenfalls nicht einzunehmen.
Präparate:
C) Psychogene Übelkeit
1. Pflanzliche Sedativa: 
Hierbei handelt es sich um pflanzliche Beruhigungsmittel, die  bei stressbedingtem Erbrechen eingesetzt werden und zu einer Senkung der Unruhezustände und folglich zu einer Abnahme des Übelkeit führen. Insbesondere Lavendel und Baldrian wirken beruhigend. Sollte zudem eine depressive Verstimmung vorliegen, eignet sich die Kombination mit Johanniskraut (Achtung Wechselwirkungen --> siehe depressive Verstimmung).
Präparate: 
Zusatzhinweise:
Lebensmittelvergiftung und akute Magenschleimhautentzündungen
 
Möglichst fettfreie Kost bzw. leicht verdauliche Speisen verzehren. Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, wobei kohlensäurehaltige Getränke und blähende Speisen (z.B. Kohl, Hefeteig, Zwiebeln, Bohnen) gemieden werden sollten.  Warme Bauchauflagen wirken meist lindernd. Ingwertee, Pfefferminztee und Kamillentee wirken sich ebenfalls positiv auf die Symptome auf. Bei Reisekrankheit oder auch Erbrechen infolge einer Schwangerschaft eignen sich Ingwerpräparate, sowie Vitamin B6 (v.a. in der Schwangerschaft). Akupressurbänder (                          ) können sowohl bei der Reisekrankheit als auch in der Schwangerschaft eine Alternative zur Tabletteneinnahme darstellen. Wenn mehrfach erbrochen wurde, hat der Elektrolytersatz (z.B.               ) höchste Priorität, um den Körper durch einen Elektrolytmangel nicht zusätzlich zu belasten. 
Als homöopathische Therapiealternativen eignen sich :      
Psychogene Übelkeit  
 
Entspannungsübungen, Yoga und autogenes Training wirken sich positiv auf die Psyche und somit auch auf die empfundene Übelkeit aus. In besonders schweren Fällen sollte eine psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden. Die regelmäßige Zufuhr kleiner Mahlzeiten verschafft zumeist ebenfalls Linderung.            
Als homöopathische Therapiealternativen eignen sich :