Reisekrankheit

Allgemein: 
Die Reisekrankheit (Kinetose) entsteht durch eine Reizung des Gleichgewichtsorgans, 
infolge sich häufig wiederholender abrupter oder schneller Bewegungen.
Sie tritt häufig bei Reisen mit dem Auto, Flugzeug, Schiff oder der Bahn auf.
Da die Augen nicht alle Bewegungen des Fahrzeugs nachvollziehen können, während 
das Gleichgewichtsorgan (Vestibularapparat) bzw. Mechanorezeptoren geringste
Bewegungsänderungen wahrnehmen, resultieren daraus widersprüchliche Informationen,
die das Gehirn nicht adäquat verarbeiten kann.
Dies führt schließlich zu einer Stressreaktion, wobei Botenstoffe (u.a. Histamin)
ausgeschüttet werden, die die Symptome der Kinetose begünstigen. Nach 2-4 Tagen hat 
sich der Körper meist an die Gegebenheiten (v.a. bei Schiffsreisen) angepasst, wobei die 
Anpassung bis zu 3 Monate anhalten kann.
Symptome:
Blässe, Blutdruckabfall, ErbrechenKopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden, Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit
Wann zum Arzt?
Bei besonders stark ausgeprägten Beschwerden, insbesondere in Verbindung mit häufigem Erbrechen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Wenn die Beschwerden unabhängig von einer Reise und sehr plötzlich (ohne potentiellen Auslöser) auftreten, ist dies ebenfalls abklärungsbedürftig.
Therapie:
1. H1-Antihistaminika: Der Brechreiz wird u.a. Histamin vermittelt im Stammhirn ausgelöst bzw. weitergeleitet. Daher eignen sich Antihistaminika gut, um diese Reizweiterleitung zu durchbrechen. Die Wirkung dieser Präparate setzt nach ca. 30 Minuten ein. Zur Prophylaxe sollten diese Präparate daher 30 Minuten vor Reisebeginn eingenommen werden. Die wirkstoffhaltigen Kaugummis entfalten ihre Wirkung schon nach 10  Minuten, da ein Teil des Wirkstoffs über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. Deshalb können die Kaugummis noch beim Auftreten der ersten Symptome Linderung verschaffen. 
Bei besonders ausgeprägter Symptomatik (Erbrechen) sollten eher Suppositorien (Zäpfchen) eingesetzt werden. Patienten, die über 60 Jahre alt sind, Prostataprobleme oder ein Engwinkelglaukom haben, sollten diese Präparate meiden. Darüber hinaus machen diese Präparate leicht müde und können die Aufmerksamkeit und Fahrtüchtigkeit einschränken.
Präparate:
2. Ingwer: Die wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe des Ingwers sind Scharfstoffe (Gingerole und Shoagole). Sie entfalten ihre Wirkung durch Interaktion mit dem Serotoninrezeptor (5HT3) und muskarinergen Rezeptoren.
Die Anwendung kann bei anhaltender Übelkeit als Tee erfolgen (1,5 g geschältes Ingwerrhizom mit 150 mL kochendem Wasser übergießen).
Für die Reiseprophylaxe eignen sich jedoch eher Fertigpräparate. Dabei werden vor Reisebeginn 2 Kapseln und bei Bedarf alle 4 Stunden jeweils erneut 2 Kapseln eingenommen. Ingwer hat sich mittlerweile als effektive Behandlungsoption für Schwangere erwiesen, wobei die Einnahme jedoch mit dem Frauenarzt abgesprochen werden sollte.
Präparate:
3. Flüssigkeits - und Elektrolytersatz: Diese Präparate sollten bei mehrfachem Erbrechen eingesetzt werden. Sie enthalten die notwendigen Elektrolyte und beugen somit Schwächegefühlen vor. In Abhängigkeit von der Häufigkeit und Intensität des Erbrechens, kann eine mehrfache Gabe notwendig sein. Sie können auch zur Vorbeugung eines, durch Alkohol bedingten, "Katers" eingesetzt werden. Patienten, die unter einer Nieren- oder Herzinsuffizienz leiden, sollten von diesen Präparaten Abstand nehmen.
Präparate:
Zusatzhinweise:
Während der Fahrt sollte möglichst nicht gelesen werden. Stattdessen sollte man sich einen fixen Punkt am Horizont und einen möglichst gut belüfteten Ort suchen. Ein                            kann zudem durch physikalische Kompression eines Druckpunktes am Handgelenk zur Vorbeugung der Kinetose dienen.
Als homöopathische Alternativen kommen                                                  und                              zum Einsatz.
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