Schwitzen

Allgemein: 
Das Schwitzen wird vom vegetativen Nervensystem (auch autonomes
Nervensystem) gesteuert und dient vornehmlich der Regulation der
Körpertemperatur. Die Funktionen des autonomen Nervensystems sind nicht
willentlich beeinflussbar. Bei ca. 1% der Bevölkerung wird aufgrund einer 
Störung dieser Regulation zu viel Schweiß produziert. Dieses als Hyperhidrose
bezeichnete Krankheitsbild tritt in der Regel mit dem Beginn der Pubertät auf 
und begleitet den Patienten meist lebenslänglich. 
Die Beschwerden können durch Nervosität und Aufregung gesteigert werden, 
wobei auch sonst gesunde Patienten auf Stress mit einer übermäßigen Schweiß-
produktion reagieren können. Eine Hyperhidrose kann  vererbt werden. 
Neben der Fehlregulation des autonomen Nervensystems können auch andere 
Erkrankungen eine übermäßige Schweißproduktion als Symptom aufweisen.
Darunter zählen v.a. Erkrankungen des Stoffwechsels (z.B. Diabetes) und des endokrinen Systems (Hormonsystem, z.B. Schilddrüsenüberfunktion), aber auch psychiatrische Erkrankungen (z.B. Angst- oder Panikattacken).
Diabetiker reagieren v.a. bei einer Unterzuckerung mit einer vermehrten Schweißreaktion. Achtung: Bei Diabetikern, die zusätzlich ß-Blocker (z.B. Bisoprolol, Metoprolol) einnehmen, ist die übermäßige Schweißbildung das einzige Anzeichen der Unterzuckerung, da die anderen beiden Symptome der Unterzuckerung (Herzrasen und Zittern) durch den ß-Blocker kupiert werden.
Übermäßiges Schwitzen ist auch ein häufiges Begleitsymptom der Wechseljahre. Die Schweißattacken treten meist anfallartig auf. Asymmetrisches Schwitzen (z.B. nur einseitig) ist meist ein Anzeichen einer nervalen Störung.
Symptome:
übermäßiges Schwitzen, entweder am ganzen Körper (generalisiert) oder nur an einzelnen Körperpartien (fokal)
Wann zum Arzt?
Bei einer generalisierten Schweißbildung ( am ganzen Körper) sollte ein Arzt aufgesucht werden. Wenn zusätzliche Symptome (z.B. Herzrasen, Zittern, Fieber) auftreten oder der Verdacht einer Depression besteht, ist ebenfalls ein Arzt zu kontaktieren. Sollten die Präparate der Selbstmedikation keinen ausreichenden Effekt haben, kann der Arztbesuch ebenfalls sinnvoll sein.
Therapie:
1. Antitranspirantien: Diese Präparate verschließen bzw. verstopfen im Gegensatz zu handelsüblichen Deodorants die Schweißdrüsen, sodass ca. 50% weniger Schweiß vom behandelten Hautareal abgegeben wird. Es sollten stets nur einzelne Körperpartien (z.B. Achseln, Handflächen) und nie der gesamte Körper behandelt werden, da ansonsten die Regulation der Körpertemperatur gestört wird. Bei längerer Anwendung kann es zur Verkümmerung der Schweißdrüsen kommen. Aluminiumchlorid ist die Leitsubstanz der Antitranspiranten. Es reichert sich im Körper an und begünstigt nachweislich die Entwicklung der Demenz. Eine potentielle Steigerung des Brustkrebsrisikos konnte bislang nicht bestätigt werden, jedoch besteht der begründete Verdacht, dass Aluminium am Pathomechanismus des Brustkrebses beteiligt ist. Aluminium kann unabhängig vom Östrogen östrogenartige Effekte auslösen und wird deshalb auch als Metallöstrogen bezeichnet (weitere Informationen ).  
Über die Anwendung von aluminiumhaltigen Antitranspiranten werden ca. 10 mg Aluminium täglich aufgenommen. Die tolerierbare wöchentliche Aluminiumaufnahme liegt bei 1 mg pro kg Körpergewicht und Woche. Damit kann allein durch die tägliche Anwendung eines aluminiumhaltigen Antitranspirants die tolerierbare Aluminiumkonzentration überschritten werden (siehe Informationen des BfR). Daher sollte die Anwendung von aluminiumhaltigen Präparaten gemieden werden.
Tip: keine säurehaltigen Lebensmittel (z.B. Marinaden beim Grillen mit der Aluschale oder Apfelsaft mit der Aluflasche)  mit Aluminium in Verbindung bringen, denn beim Verzehr jener Lebensmittel gelangt deutlich mehr Aluminium in den Körper als durch eine Anwendung eines Antitranspirants). Die Wirkstoffkombination aus Mythenamin, Zinkoxid und Talkum (Antihydras®) stellt eine sinnvolle Alternative zum Aluminium dar.
Präparate:
2. Adstringentien: Adstringentien führen zu einer Verdichtung des Hautepithels (obere Schicht der Haut). Dadurch wird ebenfalls weniger Schweiß über die behandelten Hautpartien abgegeben, ohne die Schweißdrüsen zu verstopfen. Der Effekt ist nicht so stark wie bei den Antitranspirantien. Auch hierbei sollten nur einzelne Körperpartien behandelt werden.
Präparate:
3. Salbei: Der Salbei soll die Schweißproduktion zugunsten einer geringeren Schweißbildung beeinträchtigen. Dieser Effekt gilt als nicht wissenschaftlich belegt. Eine regelmäßige Einnahme ist erforderlich
Präparate:
Zusatzhinweise:
Stresssituationen sollten vermieden werden. Stattdessen empfiehlt sich die regelmäßige Anwendung eines Autogenen Trainings (                                           ).
Auf Alkohol und scharf gewürzte Speisen sollte verzichtet  werden. Atmungsaktive Kleidung (Baumwolle bevorzugen) reduziert eine Überhitzung des Körpers und die häufig damit einhergehenden Schweißattacken. Regelmäßige Saunabesuche und wechselwarmes Duschen wirken sich ebenfalls positiv auf die Beschwerden aus. Um unangenehme Gerüche zu vermeiden ist die entsprechende Körperhygiene essentiell (pH-neutrale Reinigungsmittel verwenden). Waschungen mit Eichenrindenextrakt (z.B.                                siehe Adstringentien) dichten das Hautepithel ab und reduzieren die lokale Schweißbildung. Unter ärztlicher Behandlung stehen noch weitere Therapiemöglichkeiten zur Verfügung (z.B. Behandlung mit Botulinumtoxin, Iontophorese, chirurgische Maßnahmen etc.).