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Notfallverhütung/"Pille danach"

Allgemein: 
Unter Notfallkontrazeption (-verhütung) wird in diesem Zusammenhang die
Einnahme der "Pille danach" verstanden.  Die "Pille danach" dient der Ver-
hinderung einer ungewollten Schwangerschaft, aufgrund eines ungeschütz-
ten Geschlechtsverkehrs. Sie verzögert den Eisprung, der üblicherweise zur
Zyklusmitte bzw. 12-14 Tage vor dem Einsetzen der nächsten Regelblutung
stattfindet. Da der weibliche Zyklus Schwankungen unterliegt (insbesondere
bei unregelmäßiger Periode), ist die Vorhersage des Eisprunges meist nicht
möglich. Zudem sind die Spermien bis zu 5 Tage überlebensfähig, weshalb
sich der "unsichere Zeitraum" zusätzlich vergrößert. Daher sollte die "Pille 
danach", im Zweifel, immer eingenommen werden. Prinzipiell ist eine Befruchtung, aufgrund der Variabilität des weiblichen Zyklus,  von Tag 6-28 möglich. Die Pille danach kann nur wirken, wenn die Einnahme vor dem Einsetzen des Eisprunges erfolgt. Hat der Eisprung stattgefunden, ist sie wirkungslos. Daher sollte die Einnahme möglichst frühzeitig erfolgen (innerhalb von 12h nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr).
Es gibt verschiedene Szenarien, die den Einsatz der "Pille danach" erfordern (nach erfolgtem Geschlechtsverkehr !):
 
1. Es wurden keine Verhütungsmittel verwendet
2. Fehlanwendung oder Pannen von Verhütungsmitteln (z.B. Kondom geplatzt, abgerutscht)
3. Fehlanwendung, vergessene Einnahme der hormonellen Verhütungsmittel ("Pille" o. Hormonpflaster, Vaginalringe)
3.1. Die Pille wurde vergessen oder über 12 Stunden später eingenommen
3.2. Die Minipille (nur Gestagen enthalten) wurde vergessen oder über 3 Stunden später eingenommen.
3.3. Der Vaginalring war über 3 Stunden außerhalb der Vagina, das anwendungsfreie Intervall war länger als 7 Tage,
       der Vaginalring wurde seit über 4 Wochen nicht mehr gewechselt
3.4. Das Hormonpflaster hat über 24 Stunden nicht richtig geklebt.
Darüber hinaus können Antibiotika und auch Johanniskraut die Wirkung der Pille beeinträchtigen. Deshalb gilt hierbei, dass bei gleichzeitiger Einnahme zusätzlich verhütet werden sollte. Der Schutz der Pille ist erst wieder gegeben, wenn sie nach der letzten Antibiotika- bzw. Johanniskraut-Einnahme  7 Tage hintereinander (ohne weitere Verhütungspanne) eingenommen wurde. Gleiches gilt bei Durchfall oder Erbrechen, unmittelbar (bis 4 Stunden) nach der Pilleneinnahme 
Wann zum Arzt?
Wenn der ungeschützte Geschlechtsverkehr vor über 5 Tagen stattfand, ist ein Arztbesuch erforderlich, sofern kein Kinderwunsch vorliegt. Liegt der Verdacht einer bestehenden Schwangerschaft vor, sollte auch dies ärztlich begutachtet werden. Sind schwerwiegende gesundheitliche Probleme (z.B. Asthma, Leberfunktionsstörungen, M. Crohn) vorhanden, erfordert dies ebenfalls die ärztliche Konsultation.
Bei jüngeren Patientinnen (< 14) sollte stets ein Arzt aufgesucht werden.
Therapie:
Für die Selbstmedikation sind zwei Wirkstoffe zugelassen.
1. Ulipristalacetat: Dieser Wirkstoff bindet selektiv an den Progesteronrezeptor. Dadurch wird die Ausschüttung von LH vermindert, welches maßgeblich für die Auslösung des Eisprunges verantwortlich ist. Der Eisprung wird schließlich verschoben, wenn das Präparat rechtzeitig (max.120 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr) eingenommen wird. Je früher die Einnahme erfolgt, desto geringer ist das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft. UPA ist Levonorgestrel vorzuziehen, sofern keine Ausschlussgründe vorhanden sind.
Bei Leberfunktionsstörungen, unkontrolliertem Asthma oder dem Verdacht einer bestehenden Schwangerschaft, sollte dieses Präparat nicht eingenommen werden. Sogenannte CYP3A4- Induktoren (z.B. Johanniskraut, Dexamethason, Carbamazepin, HIV-Medikamente etc.) können die Wirkung der "Pille danach" beeinträchtigen. Im Zweifel sollte Rücksprache mit dem Apotheker gehalten werden. Sollte das Präparat in der Stillzeit eingenommen worden sein, ist eine Stillpause von einer Woche einzuhalten
Als häufige Nebenwirkung treten Übelkeit und Bauchschmerzen auf. Wenn die Pille innerhalb der ersten 3 Stunden (nach der Einnahme) erbrochen wird, ist die Einnahme zu wiederholen.
Präparate: Ellaone®
2. Levonorgestrel: Hierbei handelt es sich um ein synthetisches Progesteron-Analogon, das die Wirkung des Progesterons nachahmt. Es wird ebenfalls die  LH-Konzentration gesenkt und folglich der Eisprung verschoben bzw. verhindert. Die Einnahme sollte möglichst unmittelbar nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr, spätestens jedoch nach 72 Stunden erfolgen. 
Sollte das Präparat in der Stillzeit eingenommen worden sein, ist eine Stillpause von 8 Stunden einzuhalten
Als häufige Nebenwirkung treten Übelkeit und Bauchschmerzen auf. Wenn die Pille innerhalb der ersten 3 Stunden (nach der Einnahme) erbrochen wird, ist die Einnahme zu wiederholen. Sogenannte CYP3A4- Induktoren (z.B. Johanniskraut, Dexamethason, Carbamazepin, HIV-Medikamente) können die Wirkung der "Pille danach" beeinträchtigen (ggf. können 2 Tabletten eingenommen werden)  Im Zweifel sollte Rücksprache mit dem Apotheker gehalten werden.
Präparate: PiDaNa®, Unofem®Hexal
Zusatzhinweise:
​Der Zyklus kann sich nach der Einnahme der "Pille danach" verschieben. Sollte die Periode allerdings über 7 Tage ausbleiben, wird zu einem Schwangerschaftstest und dem Besuch des Frauenarztes geraten. 
Die "Pille danach" sollte nicht als Ersatz der normalen Verhütung angesehen und nicht häufiger als 1x pro Zyklus eingesetzt werden. Beim Verdacht einer bestehenden Schwangerschaft, sind diese Präparate zu meiden. Sie dienen lediglich der Empfängnisverhütung und wirken nicht abtreibend. Ein Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten bieten diese Präparate ebenfalls nicht. Um der Übelkeit vorzubeugen, kann die Einnahme zu einer Mahlzeit sinnvoll sein. Wenn normalerweise die Pille eingenommen wird, sollte die Einnahme wie gewohnt weiter erfolgen und eine zusätzliche Verhütung (z.B. Kondome) bis zum Zyklusende erfolgen.

Pille danach, Notfallverhütung
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