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Mineralstoffmangel

Allgemein: 
Der Mineralstoffmangel bezeichnet im engeren Sinne einen Mangel an
Spurenelementen und Elektrolyten. Die Gründe für einen solchen Mangel
können vielfältig sein und reichen von einseitiger Ernährung über Verwertungs-
Störungen bis hin zu Belastungssituationen (Schwangerschaft, exzessiver
Sport, Grunderkrankungen, Alkohol- und Nikotinmissbrauch). Darüber hinaus 
können einige Arzneimittel z.B. Diuretika (Furosemid, Xipamid, HCT etc.) zu
einer forcierten Ausscheidung von Elektrolyten und Spurenelementen führen.
Jene Unterversorgung mit Mineralstoffen führt meist zu sehr unspezifischen
Symptomen. Nachfolgend sind die wichtigsten Mineralstoffe samt ihrer Funktion dargestellt.
Symptome:
Calciummangel: gesteigerte Erregbarkeit des Nervensystems, Abnahme der Knochendichte, Zunahme von Muskelkrämpfen.
Magnesiummangel: gesteigerte Erregbarkeit des Nervensystems, Muskel- v.a. Wadenkrämpfe, Tachykardie, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen
Eisenmangel: Leistungsschwäche, Müdigkeit, Haarausfall, Blässe
Kaliummangel: Muskelschwäche, Verstopfung, Herzrhythmusstörungen bis hin zur Herzinsuffizienz
Iodidmangel: Wachstumsstörungen, Störungen der geistigen Entwicklung (v.a. im Kindesalter), Wachstums- bzw. Entwicklungsstörung des Fötus während der Schwangerschaft. Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit, Reduzierung des Grundumsatzes (Kalorienverbrauch), Zyklusstörungen, Strumabildung (Vergrößerung der Schilddrüse)
Fluoridmangel: vermutlich gestörte Ausbildung des Zahnschmelzes
Zinkmangel: hohe Infektanfälligkeit, Wundheilungsstörungen, Konzentrationsschwäche, Schäden an Haut, Haaren und Nägeln.
Selenmangel: Hautveränderungen, Muskelschwäche, Anämie (Mangel an roten Blutkörperchen)
Siliciummangel: beim Menschen nicht bekannt
Wann zum Arzt?
Da die Symptome eines Mineralstoffmangels sehr unspezifisch sein können, sollte insbesondere bei Herz- und Kreislaufbeschwerden, Nierenerkrankungen, sowie einem plötzlichen Leistungs- und Gewichtsverlust ein Arzt aufgesucht werden.
Therapie:
1. Calcium: Ein Calciummangel kann durch eine einseitige Ernährung, einen erhöhten Bedarf in der Schwangerschaft/Stillzeit, einen Vitamin-D-Mangel oder eine Nebenschilddrüsenüberfunktion bedingt sein. Calcium ist primär am Knochenaufbau (auch Zahnschmelz) beteiligt, weshalb ein Mangel auch zu einer Störung des Knochenstoffwechsels führt. Die langfristige orale Einnahme von Glucocorticoiden (Cortison) erfordert ebenfalls die Supplementation des Calciums. Zur Osteoporoseprophylaxe und -therapie ist die Kombination von Calcium
(500-1000 mg) und Vitamin D (800 I.E.) geeignet.
Vitamin D verhindert die Ausscheidung und fördert die Aufnahme des Calciums. Darüber hinaus wird Calcium
Vitamin D abhängig in den Knochen eingebaut. Demnach ist die alleinige Gabe von Calcium nicht zielführend. Patienten die folgende Medikamente einnehmen, sollten 2 Stunden Abstand zwischen der Calciumeinnahme und der entsprechenden Arzneimittel einhalten: Bisphosphonate (z.B. Alendronat), L-Thyroxin, Eisen, Zink, Antibiotika (Doxycyclin, Gyrasehemmer). Diuretika aus der Gruppe der Thiazide (z.B. Hydrochlorothiazid) können den Calciumspiegel erhöhen.
Präparate:
2. Magnesium: Magnesium ist der physiologische "Gegenspieler" des Calciums. Magnesium stabilisiert das Zellpotenzial und reduziert dadurch die Erregbarkeit der Zellen. Dadurch werden unwillkürliche Muskelkontraktionen verhindert und die Erregbarkeit des Nervensystems gedämpft. Mangelerscheinungen treten insbesondere bei chronischen Darmerkrankungen, Leistungssportlern, übermäßigem Alkoholgenuss und der Kombination von Protonenpumpenhemmern (z.B. Pantoprazol) und Diuretika auf. Die Protonenpumpenhemmer erhöhen den pH-Wert des Magens, sodass das Magnesium nicht mehr resorbiert werden kann und die Diuretika fördern die Ausscheidung.
Bei häufigen Wadenkrämpfen o.ä. sollten ca. 300 - 400 mg Magnesium pro Tag aufgenommen werden. Magnesium ist auch zur Migräneprophylaxe geeignet.Überdosierungen führen zu Durchfällen. Bei der Einnahme mit anderen Medikamenten gelten die gleichen Maßnahmen wie bei Calcium.
Präparate:
3. Eisen: Als zentraler Bestandteil des Hämoglobins (roter Blutfarbstoff in den roten Blutkörperchen), ist das Eisen direkt am Sauerstofftransport des Körpers beteiligt. Daher resultieren größere Blutverluste (z.B. bei Operationen, Unfällen oder der Menstruation)  in einem Eisenverlust. Vor der Einnahme von Eisenpräparaten sollte stets überprüft werden, ob wirklich ein Eisenmangel vorliegt, denn eine überschüssige Eisenzufuhr kann zur Bildung von freien Radikalen führen, die wiederum Zeltschäden verursachen können. Zur Überprüfung des Eisenspiegels kann entweder der Arzt aufgesucht oder ein                           verwendet werden. Die tägliche Eisenaufnahme sollte zwischen 10 und 15 mg betragen. Eisensalze führen häufig zu Magen- oder Darmbeschwerden. Diese können durch die Eisenaufnahme zu einer Mahlzeit reduziert werden. Um die Eisenaufnahme zu verbessern, sollten die Präparate mit Vitamin C (z.B. 1 Glas Orangensaft) eingenommen werden. 
Bei der Einnahme mit anderen Medikamenten gelten die gleichen Maßnahmen wie bei Calcium. Darüber hinaus sollten zu Antazida (Mittel gegen Sodbrennen) ein Einnahmeabstand von 2 Stunden gehalten werden.
Präparate:
4. Kalium: Die Zufuhr von Kalium sollte stets erst nach zuvor erfolgter Analyse des Blutes und bestätigtem Kaliummangel erfolgen. Kalium ist außerordentlich wichtig für die elektrophysiologischen Vorgänge der Zellen. Eine Entgleisung des Kaliumspiegels sollte unbedingt ärztlich behandelt werden. Bei einem Kaliummangel kommt es meist zur Verstopfung (Obstipation). In der Folge werden häufig Laxanzien (Abführmittel) eingenommen, die mit Ausnahme einiger Präparate (z.B. Macrogol, Glycerin) zu einer forcierten Kaliumausscheidung führen. Daraus ergibt sich meist ein Teufelskreis. Diuretika und Abführmittel erniedrigen den Kaliumspiegel, während ACE-Hemmer (z.B. Ramipril), Sartane (z.B. Candesartan) und Aldosteron-Rezeptorantagonisten diesen erhöhen. Der Tagesbedarf des Kaliums beträgt 1-2 g.
Präparate:
5. Iodid: Iodid ist essentiell für die Produktion der Schilddrüsenhormone, welche wiederum zahlreiche Funktionen (v.a. den Stoffwechsel) im Körper regulieren. Große Mengen Iodid sind in Fischen und Meeresfrüchten enthalten. Da Deutschland zu den Iodmangelgebieten gehört, wird das Speisesalz mit Iod angereichert, sodass der Iodmangel dadurch weitestgehend behoben werden konnte. Für Frauen mit Kinderwunsch ist eine ausreichende Iodversorgung sehr wichtig, um Entwicklungsstörungen des ungeborenen Kindes zu vermeiden. Die tägliche Iodaufnahme sollte 100-200 µg betragen.
Präparate:
6. Fluorid: Der Einfluss des Fluorids ist zur Zeit umstritten. Ein Mangel steht im Verdacht Karies zu fördern. Es führt zu einer verstärkten Mineralisierung der Knochen und des Zahnschmelzes, wodurch die Knochen und Zähne härter, aber auch spröder und weniger elastisch werden.  Die orale Einnahme sollte daher zugunsten der lokalen (Auftragung auf den Zahnschmelz) vermieden werden.
Präparate:
7. Zink: Der Zinkgehalt kann infolge von Darmerkrankungen, Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch und bedingt durch Wachstumsprozesse erniedrigt sein. Zink hat eine lokale antivirale Wirkung, fördert die Wundheilung, den Aufbau von Haut, Haaren, Nägeln und die Bildung essentieller Komponenten des Immunsystems. Außerdem ist Zink für den Zellstoffwechsel enorm wichtig. Der Tagesbedarf liegt bei 7-10 mg pro Tag. Bei der Einnahme mit anderen Medikamenten gelten die gleichen Maßnahmen wie bei Calcium.
Präparate:
8. Selen: Die antioxidativen Eigenschaften machen das essentielle Spurenelement Selen zunehmend interessant für die Schulmedizin. Es wird heute zur Unterstützung enzymatischer Systeme und in der adjuvanten Krebstherapie eingesetzt. Der Tagesbedarf beträgt 50 µg.
Präparate:
9: Silicium: Es wird traditionell als Nahrungsergänzungsmittel für Haut, Haare und Nägel eingesetzt. Die Studienlage hierzu ist allerdings dürftig. 
Präparate:
Zusatzhinweise:
Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung verhindert die Entstehung eines Mineralstoffmangels. Phosphathaltige Getränke (z.B. Cola) und Lebensmittel (z.B. Schmelzkäse) fördern die Ausscheidung von Calcium und erniedrigen die Knochendichte (schon im jungen Alter). Daher sollten diese Lebensmittel nur in Maßen genossen werden.
 
Mineralstoffmangel, Calcium, Magnesium, Elektrolyte, Wadenkrämpfe, Muskelkrämpfe, Müdigkeit
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